18. Januar 2018 | Anmelden
 

Forschungsziele

Ein System, das automatisch Informationen aus Audio- und Videoströmen extrahiert, mit zusätzlichen Informationen anreichert und in verschiedensten Verwendungszusammenhängen sinnvoll zur Verfügung stellen kann, ist in einer ungewöhnlichen Breite einsetzbar. Diese reicht vom Kleinarchiv von Privatkunden über die staatliche und TV-Archive, bzw. Videoproduzenten bis hin zu Fragen der nationalen Sicherheit in der Videoüberwachung. Die beiden Extreme einmal außen vorgelassen sollen drei Einsatzszenarien die Spannbreite der Möglichkeiten allein für die Medienbranche sowie die dafür notwendigen konkreten Weiterentwicklungen aufzeigen. Sie dienen zum einen der Identifikation notwendiger technologischer Weiterentwicklungen in Richtung Demonstratoren (Proof-of-Concept) als auch als Ausgangsbasis für die wirtschaftliche Potentialanalyse.

Anwendungsszenario 1: Archivierung audiovisueller Medien

Grundidee: Bislang existiert kein Werkzeug, das die automatische, semiautomatische und intellektuelle Indexierung und Archivierung auf die Bedürfnisse der Anwender zugeschnitten ermöglicht. Einige wenige Archive können sich eine zumindest teilweise manuelle Erschließung ihrer Medien leisten, in der Regel aber liegen die Daten unerschlossen auf analogen oder digitalen Datenträgern und können nicht oder nur mühsam recherchiert werden. Ein mögliches Szenario stellt diesen Archiven ein Werkzeug zur Verfügung, welches wenn nötig analoge Medien digitalisiert, in digitalen und digitalisierten Medien automatische Bild- und Spracherkennung durchführt, gegebenenfalls die Archivare bei der manuellen Indexierung unterstützt und so eine umfassende Recherche in den Medienarchiven ermöglicht.

Anwendungsszenario 2: Media Asset Management

Grundidee: Die Produktion von Medien ist in der Regel sehr kostenintensiv. Gleichzeitig sind verschiedenste Einsatzmöglichkeiten für Unternehmen entstanden. Die Zielsetzung von Media Asset Management Systemen ist zweifach: Zum einen sollen Informationen in Unternehmen optimal zur Verfügung gestellt werden. So kann beispielsweise ein Chart zu bestimmten Absatzzahlen eines Produktes einmal erstellt und zentral vorgehalten werden. Verschiedenste Abteilungen können nun auf das Chart zugreifen und für ihre Zwecke nutzen: Die Entwicklungsabteilung, um zu überprüfen, ob das Produkt noch marktrelevant ist oder überarbeitet werden muss, die Marketingabteilung, um die Bewerbung des Produkts zu steuern, die Beschaffungsabteilung, um die notwendigen Materialien für die Produktion bereitzustellen, das Lager, um das Produkt für den Verkauf in ausreichenden Mengen vorzuhalten, oder das betriebliche Rechnungswesen, z.B. für die Planung der Kosten.

Zum anderen können einmal erstellte Medien auch über unterschiedlichste Kanäle und in unterschiedlichsten Verwendungszusammenhängen genutzt werden. Die Photographie des Firmensitzes beispielsweise im Webauftritt, in Broschüren oder auch in Festschriften. Ein geeignetes Media Asset Management hilft hier, redundante Tätigkeiten wie das Fotografieren des Firmensitzes zu reduzieren.

Anwendungsszenario 3: Interactive Rich Media

Grundidee: Der Medienkonsum unterliegt einem starken Wandel vom reinen passiven Konsum des klassischen Fernsehabends hin zu mehr Dynamik, Mobilität und Interaktion. Die Digitalisierung des Fernsehens bringt eine Verknüpfung der klassischen Ausstrahlung mit Webinhalten mit sich. Der Sprung geht dabei in zwei Richtungen: einmal vom Fernsehen ins Web auf dem heimischen TV-Gerät und einmal vom Web ins gestreamte TV-Programm auf dem PC. Beides führt dazu, dass eine TV-Sendung weit mehr sein kann als ein abgespieltes Video. Vielmehr können Metadaten mitgesendet werden, die eine Verknüpfung zu personen- und ortsabhängigen Empfehlungssystemen oder auch ins Web und den dortigen Zusatzangeboten ermöglichen. Der Fernsehzuschauer wird in seinem Konsum zunehmend aktiv.

Ziel der Forschungsbemühungen ist die Entwicklung von Verfahren für den praktischen Einsatz in diesen Anwendungsfeldern mit Hinblick auf die Integration in existierende Workflows. Hierfür sind technische Weiterentwicklungen in den Bereichen Archivierungsstraße, Workflowintegration, Annotationsunterstützung, Bilderkennung, Web-Services und Parallelverarbeitung notwendig.

 
 
Projektgeber

ValidAX wird durch das Bundesministerium für Bildung und Forschung BMBF im Rahmen des Programms Validierung des Innovationspotenzials wissenschaftlicher Forschung - VIP von Juli 2011 bis Juni 2014 gefördert und durch den Projektträger VDI | VDE | IT betreut.
Projektnehmer


Prof. Dr. Maximilian Eibl
Professur Medieninformatik
Technische Universität Chemnitz
Straße der Nationen 62
09107 Chemnitz

Tel.: +49(0)371/531-25780
Fax: +49(0)371/531-25719
Email: mi@informatik.tu-chemnitz.de